Von der Kalendermethode bis zur Kupferspirale: Alles was Sie über Verhütung wissen sollten

Hormonelle Verhütung, insbesondere mit Aufkommen der Pille in den 1960er Jahren, gilt als einer der entscheidenden Aspekte für die selbstbestimmte Frau. Hormonelle Verhütung wird seither eingesetzt, um ungewollte Schwangerschaften zu verhindern. In den vergangenen Jahrzehnten hat die Verwendung von Hormonen zur Verhütung stark zugenommen und ist mittlerweile die am häufigsten verwendete Methode weltweit1.

Wie wirken Hormone als Verhütungsmittel?

Die unterschiedlichen Verhütungsmethoden wirken auf unterschiedliche Weise. In der Regel enthalten sie synthetische Versionen von weiblichen Hormonen, wie Östrogen und Gestagen, die in unterschiedlichen Dosierungen und Zusammensetzungen eingesetzt werden. Diese Hormone beeinflussen den weiblichen Menstruationszyklus und verhindern oder erschweren den Eisprung, ohne den keine Schwangerschaft entstehen kann.

Pearl-Index: Wie sicher ist eine Verhütungsmethode?

Der Pearl-Index ist eine Maßeinheit zur Bestimmung der Zuverlässigkeit von Verhütungsmethoden. Er gibt an, wie viele Frauen von 100 Frauen, die innerhalb eines Jahres eine bestimmte Verhütungsmethode anwenden, trotzdem schwanger werden. Ein Pearl-Index von 0 würde bedeuten, dass keine einzige Frau trotz Verwendung der Verhütungsmethode schwanger geworden ist, während ein Pearl-Index von 100 bedeuten würde, dass alle Frauen trotz Verwendung der Verhütungsmethode schwanger geworden sind. Ein niedriger Pearl-Index deutet darauf hin, dass eine Verhütungsmethode sehr zuverlässig ist und weniger wahrscheinlich zu einer ungewollten Schwangerschaft führt. Der Pearl-Index kann jedoch von verschiedenen Faktoren wie der korrekten Anwendung der Verhütungsmethode, individuellen Unterschieden und anderen Faktoren beeinflusst werden.

Hormonelle Verhütungsmittel im Überblick

Es gibt verschiedene Arten der hormonellen Verhütung. Da jedes Verhütungsmittel auf seine eigene Weise wirkt, bietet jedes Mittel auch seine eigenen Vor- und Nachteile:

1
Antibabypille
Bei der Antibabypille wird der Eisprung durch das enthaltene synthetische Östrogen und Gestagen unterdrückt.
Vorteile: Sie ist bei korrekter Einnahme sehr wirksam (Pearl-Index von 0,1-0,9) und kann zudem auch eingesetzt werden, um Menstruationsbeschwerden zu lindern oder den Zyklus zu regulieren.
Nachteile: Sie muss täglich eingenommen werden. Von manchen Frauen wird die Pille nicht gut vertragen. Es können dann Nebenwirkungen, wie Übelkeit, Kopfschmerzen oder Gewichtszunahme auftreten.
2

Hormonpflaster
Das Hormonpflaster wird einmal pro Woche auf die Haut geklebt und gibt kontinuierlich Östrogen und Gestagen ab.
Vorteil: Die Anwendung ist einfach und muss nicht täglich wiederholt werden.
Nachteil: Es kann Hautreizungen verursachen.

3

Hormonspirale
Die Hormonspirale wird in die Gebärmutter eingesetzt und gibt kontinuierlich Gestagen ab, wodurch der Schleim im Gebärmutterhals verdickt und das Eindringen von Spermien erschwert wird.
Vorteil: Laut Pearl-Index ist die Hormonspirale äußerst sicher (0,1-0,4) und sie kann zudem für einen längeren Zeitraum (drei bis fünf Jahre) wirksam sein.
Nachteil: Durch die Hormonspirale können Schmerzen und Krämpfe ausgelöst werden und das Risiko einer Eileiterschwangerschaft steigt an.

4

Hormonimplantat
Das Hormonimplantat wird unter die Haut am Oberarm eingesetzt und gibt dort über einen Zeitraum von drei Jahren kontinuierlich Gestagen ab.
Vorteil: Mit einem Pearl-Index von 0,05 ist das Hormonimplantat sehr wirksam und kann über einen längeren Zeitraum verwendet werden. Zudem kann es zur Linderung von Menstruationsbeschwerden beitragen und den Zyklus regulieren.
Nachteil: Es können Schmerzen oder Schwellungen an der Einspritzstelle auftreten.

5

Vaginalring
Der Vaginalring wird in die Scheide eingeführt und gibt dort Östrogen und Gestagen ab. Einmal pro Monat muss er gewechselt werden.
Vorteil: Menstruationsbeschwerden können gelindert werden und mit einem Pearl-Index von 0,3 – 0,65 ist auch der Vaginalring eine relativ sichere Verhütungsmethode.
Nachteil: Manche Frauen empfinden den Vaginalring als störend und das Risiko von Infektionen erhöht sich.

Alternative Verhütungsmethoden

Neben hormonellen Verhütungsmethoden gibt es auch Alternativen, die ohne hormonelle Komponente wirken. Diese Arten der Verhütung können aus unterschiedlichen Gründen interessant sein, vor allem für Frauen, die aufgrund von persönlichen, aber auch gesundheitlichen Bedenken auf die Einnahme von Hormonen verzichten möchten.

Kondome für Safer Sex
Die wohl bekannteste hormonfreie Verhütungsmethode sind Kondome. Diese bieten neben dem Schutz vor einer Schwangerschaft auch Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten. So können Kondome nicht nur als Alternative, sondern auch als Ergänzung zu hormonellen Methoden genutzt werden. Ein weiterer Vorteil von Kondomen ist, dass diese ohne ärztliche Verschreibung erhältlich sind und in der Regel keine Nebenwirkungen haben.

Barrieremethoden: Diaphragma oder Portioklappen:
Eine Möglichkeit ist die Verwendung von Barrieremethoden wie Diaphragmen oder Portioklappen, die den Gebärmutterhals bedecken und verhindern, dass Spermien in die Gebärmutter gelangen. Barrieremethoden können jedoch etwas komplizierter in der Anwendung sein und erfordern möglicherweise eine ärztliche Anpassung.

Kalendermethode
Die Kalendermethode basiert auf der Überwachung des weiblichen Zyklus, um die fruchtbaren und unfruchtbaren Tage zu bestimmen. Diese Methode erfordert jedoch eine sorgfältige Überwachung und Verständnis des eigenen Zyklus und ist möglicherweise nicht für alle Frauen geeignet, da verschiedene Voraussetzungen, wie ein regelmäßiger Zyklus, gegeben sein sollte. Mit einem Pearl-Index von 9-30 ist diese Methode deutlich unsicherer als andere Verhütungsmethoden.

Langzeitverhütung mit der Kupferspirale
Eine Alternative zur Hormonspirale bietet die Kupferspirale. Statt drei bis fünf Jahre ist die Kupferspirale sogar für zehn Jahre wirksam. Statt durch die Freisetzung von Hormonen wirkt die Kupferspirale durch die Freisetzung von Kupferionen, die die Bewegung der Spermien hemmt und so die Befruchtung verhindert. Mit einem Pearl-Index von 0,3-0,8 gilt die Methode als sehr sicher. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Kupferspirale Nebenwirkungen haben kann und nur von einem Arzt oder einer Ärztin eingesetzt werden kann.

Ob hormonelle oder hormonfreie Verhütung zu einem passt, ist äußerst individuell und hängt von persönlichen und gesundheitlichen Präferenzen ab. Zudem sollte auch immer der Rat eines Arztes hinzugezogen werden, der bei Unsicherheiten, welche Verhütungsmethode die passende für einen selbst ist, unterstützen kann.