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Präventiophobie – Die Angst vor der Darmkrebsvorsorge

Darmkrebs ist bei Männern die dritt-, bei Frauen sogar die zweithäufigste Krebsart. Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 60.000 Menschen neu an Darmkrebs; über ein Drittel stirbt daran. Die gute Nachricht: Wird Darmkrebs früh genug erkannt, sind die Heilungschancen gut!

Darmkrebs in Kürze

Bei Darmkrebs entstehen bösartige Tumore im Dick- oder Mastdarm. Sie bilden sich meistens aus Darmpolypen (auch: Adenome), also gutartigen Wucherungen der Darmschleimhaut. Darmkrebs entwickelt sich langsam, oft über Jahre. Im Anfangsstadium verursacht Darmkrebs dabei keinerlei Beschwerden. Wenn sich Symptome bemerkbar machen, ist in den meisten Fällen eine Heilung nur noch schwer möglich. Folgende Symptome können Anzeichen für Darmkrebs sein und sollten umgehend durch einen Magen-Darm-Arzt abgeklärt werden:

  • Blut im Stuhl
  • Wechselnde Verdauung, mal haben Sie Durchfall, dann wieder Verstopfung.
  • Öfter krampfartige Bauchschmerzen.
  • Sie leiden häufig an Übelkeit, Völlegefühl und Appetitlosigkeit.
  • Müdigkeit und Leistungsschwäche
  • Unbeabsichtigter Gewichtsverlust

So verhindert man Darmkrebs

Regelmäßige Vorsorge-Termine helfen, Vorstufen von Darmkrebs frühzeitig zu erkennen und sie zu entfernen, bevor sie zu Krebs entarten können. Eine Darmspiegelung (Koloskopie) ist dafür derzeit die aussagekräftigste Methode. Mit einem Endoskop untersuchen Spezialisten das Darminnere. Dabei können sie auffällige Darmpolypen direkt entfernen oder Gewebeproben von verdächtigen Stellen nehmen.

Risikofaktoren für Darmkrebs

Darmkrebs hat viel mit der Lebensweise zu tun. Typisches Risiko-Verhalten ist

  • Rauchen,
  • übermäßiger Alkoholkonsum,
  • eine einseitige Ernährung,
  • Bewegungsmangel,
  • schnelle Gewichtszunahme und Fettleibigkeit.

Allerdings erhöhen auch das Alter, Vorerkrankungen und die Gene das Darmkrebs-Risiko, z. B.

  • mehrere Fälle von Darm-, Magen-, Gebärmutter-, Eierstock-, Bauchspeicheldrüsen-,
    Gallengang- oder Harnleiterkrebs in der Familie.
  • eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung.
  • Typ-2-Diabetes.

Wichtig: Auch bei erhöhtem Risiko bricht die Krankheit nicht automatisch aus. Dennoch empfiehlt sich dann ab dem 40. Lebensjahr eine regelmäßige Darmkrebs-Vorsorge.

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9 Mythen über Darmkrebsvorsorge

FALSCH!

Aktuelle Zahlen zeigen, dass immer mehr junge Menschen an Darmkrebs erkranken. In Deutschland sind es jedes Jahr rund 3.400 Personen im Alter unter 50. Das Risiko für Darmkrebs steigt zwar ab dem Alter von 50 Jahren deutlich an, der Krebs kann aber auch schon in jüngeren Jahren auftreten, wenn es z. B. Fälle von Darmkrebs in der Familie gibt. Schon bei einem Angehörigen mit Darmkrebs oder Krebsvorstufen (Adenomen) verdoppelt sich das Risiko aller direkten Verwandten. Gibt es mehrere Fälle von Darmkrebs in der Familie oder ist der Krebs vor dem Alter von 50 Jahren aufgetreten, ist das Risiko für direkte Verwandte gegenüber der Normalbevölkerung um das drei- bis Vierfache erhöht. Betroffene sollten dann bereits früher eine Darmspiegelung durchführen. Es gilt, dass die erste Vorsorgedarmspiegelung spätestens 10 Jahre vor dem Alter liegen soll, in dem beim Familienmitglied Darmkrebs oder Darmpolypen festgestellt wurden. Sind drei oder mehrere Familienmitglieder an Darmkrebs erkrankt und sind in der Familie zusätzlich noch andere Krebserkrankungen aufgetreten (Magen-, Eierstock-, Gebärmutter- oder Harnleiterkrebs), liegt möglicherweise eine spezielle erbliche Form von Darmkrebs vor (Lynch-Syndrom/ HNPCC). Nahe Verwandte haben dann ein besonders hohes Risiko, schon im jungen Erwachsenenalter an Darmkrebs zu erkranken. In diesem Fall sind für die direkten Verwandten bereits Vorsorgemaßnahmen ab einem Alter von 25 Jahren zu empfehlen.

Quellen:
MD Anderson Cancer Center: http://www.medicalnewstoday.com/releases/297080.php?tw
University of Michigan: http://www.medicalnewstoday.com/releases/305427.php Zentrum für Krebsregisterdaten des Robert Koch
Instituts: http://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Datenbankabfrage/datenbankabfrage_stufe1_node.html
Frostberg E & Rahr HB. Clinical characteristics and a rising incidence of early-onset colorectal cancer in a nationwide cohort of 521 patients aged 18-40 years. Cancer Epidemiology 2020, 66:101704

FALSCH!

Darmkrebs macht lange Zeit keine Beschwerden. Man kann sich gesund fühlen und dennoch Darmkrebs haben. Vorsorge heißt aber, sich ohne Symptome einer Untersuchung zu unterziehen. Denn sind erst einmal Symptome vorhanden, ist es oft für eine Heilung zu spät. Liegt kein bekannter Risikofaktor vor, wird für Männer ab dem Alter von 50 und Frauen ab dem Alter von 55 Jahren eine Vorsorge-Darmspiegelung empfohlen. Alternativ kann ab 50 ein immunologischer Stuhltest durchgeführt werden, der Blut im Stuhl und damit Anzeichen für Darmkrebs oder Vorstufen erkennt. Liegen ein oder mehrere Risikofaktoren (z.B. Darmkrebs in der Familie oder sichtbares Blut im Stuhl) vor, sollte früher mit der Vorsorge begonnen werden. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten.

Quelle:
https://www.felix-burda-stiftung.de/darmkrebsvorsorge/was-ist-darmkrebs

FALSCH!

Die Darmspiegelung wird heute nahezu ausschließlich ambulant durchgeführt. Der Patient liegt während der circa 20 Minuten dauernden Untersuchung zugedeckt auf einer Liege. Auf Wunsch erhält er eine Beruhigungs- oder Kurzschlafspritze. Die Kurzschlafspritze ist keine Narkose, der Patient fällt lediglich in einen kurzen und leichten Schlaf. So spürt er während der gesamten Untersuchung keinerlei Schmerzen. Durchgeführt wird die Untersuchung von einem Facharzt (Gastroenterologe/Magen-Darm Arzt, fachärztlich tätige Internisten mit dem Schwerpunkt Gastroenterologie). Wurde eine Kurzschlafspritze verabreicht, ist man den restlichen Tag nicht verkehrstüchtig. Ansonsten kann man nach der Untersuchung den üblichen Tagesablauf wieder aufnehmen. Moderne Reinigungspräparate machen auch die Vorbereitung simpel und weniger unangenehm.

Quelle:
https://www.felix-burda-stiftung.de/darmkrebsvorsorge/frueherkennung/darmspiegelung

FALSCH!

Im Gegensatz zu früher müssen heute zur Vorbereitung des Darms oft nur noch zwei mal 0,5 Liter der Spülflüssigkeit getrunken werden. Angereichert mit Zitronen- oder Orangengeschmack hat diese sich inzwischen auch geschmacklich verbessert. Eine gute Reinigung des Darms ist Voraussetzung für ein sicheres Untersuchungsergebnis.

FALSCH!

Rechtzeitig erkannt, ist Darmkrebs harmlos. Im Gegensatz zu anderen Krebsarten entwickelt sich Darmkrebs aus gutartigen Vorstufen, sogenannten Polypen. Mit der Vorsorgedarmspiegelung können diese Vorstufen frühzeitig entdeckt und noch bevor sie zu Krebs entarten entfernt werden. In 99 Prozent der Vorsorge-Darmspiegelungen wird aber ohnehin kein Krebs, sondern Vorstufen, Adenome oder gar nichts diagnostiziert. Bei früher Erkennung liegen die Heilungschancen von Darmkrebs bei über 90 Prozent.

Quelle:
https://www.mynewsdesk.com/de/felix-burda-stiftung/images/darmkrebsvorsorge-statt-krank-vor-sorge- 1595962

FALSCH!

Selbst wenn ich mich gesund ernähre, nicht rauche, kein Fleisch esse und Sport treibe, kann ich trotzdem Vorstufen oder Darmkrebs entwickeln. Mit dem gesunden Lebensstil lässt sich lediglich das allgemeine Risiko etwas minimieren. Ein Schutz, im Sinne einer Sicherheit, ist dadurch allerdings nicht gegeben. Als Faustregel gilt: Durch einen gesunden Lebensstil kann ich mir nicht nur generell etwas Gutes tun, sondern auch mein Risiko für Krankheiten, wie bspw. Darmkrebs, etwas verringern. Durch einen schlechten Lebensstil - bspw. Rauchen, keine Bewegung, viel Alkohol, viel Frittiertes, viel verarbeitetes Fleisch – erhöhe ich mein Risiko an Darmkrebs zu erkranken dagegen deutlich.

Quellen:
https://www.krebsinformationsdienst.de/aktuelles/2021/news006-gesund-gelebt-warum-habe-ich-krebs.php
Prudence R. Carr et. al: Estimation of Absolute Q3 Risk of Colorectal Cancer Based on Healthy Lifestyle, Genetic Risk, and Colonoscopy Status in a Population-Based Study. Gastroenterology 2020;-:1–10
Farrall AL, Lienhard M, et al. (2020): PWD/Ph-encoded genetic variants modulate the cellular Wnt/β-Catenin response to suppress ApcMin-triggered intestinal tumor formation. Cancer Research https://cancerres.aacrjournals.org/content/early/2020/10/20/0008-5472.CAN-20-148...

FALSCH!

Ein künstlicher Darmausgang ist überwiegend bei Patientinnen und Patienten mit tiefsitzendem Tumor im Rektum (Enddarm) notwendig, bei denen der Schließmuskel nicht ausreichend funktionsfähig ist. Es gibt aber auch Situationen, in denen ein Stoma nur vorrübergehend angelegt werden muss. Im Anschluss werden die beiden Darmenden wieder miteinander verbunden und der Ausgang zurückverlegt. In Deutschland leben rund 150.000 Menschen mit einem Stoma. Bei rund einem Drittel von ihnen, war Darmkrebs der Grund für einen künstlichen Darmausgang.

FALSCH!

Natürlich gingen viele in der ersten Corona-Welle ab März 2020 aus Angst vor Ansteckung nicht mehr zum Arzt. Auch der Praxisbetrieb musste anfangs wegen mangelnder Schutzausrüstung stark eingeschränkt werden. Mittlerweile aber spielen diese Faktoren keine Rolle mehr. Die Praxen der Magen-Darm-Ärzte sind hervorragend hygienisch auf die Pandemiebedingungen eingestellt. „Bürgerinnen und Bürger können ohne Sorge ins Krankenhaus oder die Arztpraxis gehen. Es besteht kein Grund, notwendige Arztbesuche aufzuschieben“, betont die Präsidentin des Berufsverbandes Deutscher Internisten (BDI), Christine Neumann-Grutzeck. Laut Berechnungen der Magen-Darm-Ärzte auf Basis der Zi-Daten (Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung) vom Januar - Juni 2020, wurden sogar 8.703 Vorsorge-Koloskopien mehr durchgeführt, als im Vergleichszeitraum 2019. Hier zeigt sich die Wirkung des neuen Einladungsverfahrens zum Darmkrebsscreening, das im Juli 2019 startete.

Quellen
https://www.mynewsdesk.com/de/felix-burda-stiftung/blog_posts/hat-corona-der-darmkrebsvorsorge- geschadet-ja-und-nein-98158 https://www.magen-darm-aerzte.de/statements/hohn-statement-corona-massnahmen.html
Reichardt P. et. al: Decreased Incidence of Oncology Admissions in 75 Helios Hospitals in Germany during the COVID-19 Pandemic. Verfügbar unter: https://doi.org/10.1159/000512935, letzter Zugriff: 11.02.2021
Zi (2020): Veränderung der vertragsärztlichen Leistungsinanspruchnahme während der COVID-Krise.

FALSCH!

Immer mehr Menschen nehmen die Chance gegen Krebs in Anspruch und entscheiden sich für die kostenfreie, gesetzliche Darmkrebsvorsorge. Aktuell rund 545.000 gesetzlich Versicherte ab 50 Jahren pro Jahr in Deutschland. Eine schlaue Entscheidung. Denn Vorsorge ist harmlos, Krebs dagegen kann ihr Leben zerstören. Bis heute haben rund 8 Millionen Menschen in Deutschland an dieser Präventionsmaßnahme teilgenommen, wodurch circa 145.000 Todesfälle und 306.000 Neuerkrankungen verhindert werden konnten.

Quellen:
Hochrechnung der Felix Burda Stiftung auf Basis der ZI-Daten von 2003 bis 2012 und Zi-Jahresbericht 2018)
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25218160
https://www.zi.de/fileadmin/pdf/Koloskopie_Jahresbericht_2018.pdf

Überwinden Sie Ihre Präventiophobie!

Angst vor der Darmkrebs-Vorsorge? Dann schauen Sie sich diesen humorvollen Clip der Felix Burda Stiftung an:

 

Mehr zum Thema Darmkrebs und Präventionphobie auch auf: https://www.felix-burda- stiftung.de/praeventiophobie